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Google Suchmaschine: Ein böser STERN über Deutschland?

Die Google Suchmaschine bzw. der dahinter stehende Konzern, der außer einer Suchmaschine noch viele weitere interessante (und kostenlose) Dienste anbietet, sorgt regelmäßig in den Medien für Aufregung. Praktisch einmal im Jahr kommen die Mainstream-Medien Stern, Spiegel und Zeit mit Globaleinschätzungen auf den Markt, die immer wieder dasselbe Bild reproduzieren: Google ist ein übermächtiger Konzern, doch er ist unentbehrlich für jedermann geworden, deshalb muss darüber nachgedacht werden, die dunkle Macht von jenseits des Ozeans zu zähmen. Wie realistisch ist diese Einschätzung und welche Möglichkeiten existieren tatsächlich, die Macht von Google zu begrenzen?

google im stern
Google Suchmaschine und Stern – Ausriss des besprochenen Artikels

Nun ist wieder mal die Illustrierte STERN dabei, sich mit Google auseinanderzusetzten. Einerseits wird auf eine Forsa-Umfrage zu Google verweisen, die ein eher kritisches Bild abgibt: Google ist nach Ansicht vieler der Befragten bedrohlich oder visionär, sympathisch aber unverzichtbar; dass Google auch vertrauenswürdig oder sicher ist, können sich die Deutschen weniger vorstellen. Anderseits ist die Überschrift des Artikel eher positiv gestimmt: Die Europäer müssen keine Angst vor Google haben.

Eigentlich hätte ich den letzten Satz als Zitat mit vierfachen Anführungsstrichen schreiben müssen, denn der Stern gibt hier nicht seine eigene Einschätzung wieder. Das Zitat stammt von Sergey Brin, der als Chef immer noch das Unternehmen Google führt und der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass Google vor etwa 17 Jahren beginnen konnte, den Markt der Suchmaschinen umfassend aufzuräumen. Dass der Chef von Google meint, dass Google keinen Grund für Angst abgibt, ist so verwunderlich nicht, schließlich wollen einige politische Strömungen in Europa diese für ihn unbegründete Angst nutzen, um Google zur Aufspaltung des Konzerns zu zwingen.

Ist Google so übermächtig bzw. unentbehrlich, wie Brin, der Stern, viele Deutsche und einflussreiche politische Handlungsträger unterstellen? Vielleicht ist es ja eher so, dass der Glauben an die Übermächtigkeit und Unentbehrlichkeit bei Nutzern und Beobachtern dem Konzern Macht in die Hand gibt, für die es objektiv überhaupt keine Grundlage gibt. Zu Google Suchmaschine gibt es Alternativen, die etwa die gleiche Leistung bieten könnten, wenn sie denn auch deutlich stärker genutzt würden. Angeblich verzichten auch viele auf Suchmaschinen, weil sie ihre Suchbedürfnisse in sozialen Netzwerken wie Facebook ausreichend repräsentiert finden. Mails kann man auch ohne GMail schreiben, seine Daten kann man in der Cloud auch ohne Google Drive vorhalten und die meisten interessanten Videos gibt es auch auf Kanälen, die nicht YouTube heißen. Unentbehrlich ist Google natürlich für die Werbewirtschaft, denn es macht nur Sinn, dort Werbung zu schalten, wo sich viele Nutzer aufhalten. Und die nutzen Google als Suchmaschine im deutschsprachigen Raum im Umfang von 90 Prozent. International liegt diese Quote bei 70 Prozent oder höher.

Googles Unentbehrlichkeit und Macht ergibt sich also nicht direkt aus den angeblich so perfekten Algorithmen oder der so geschickt-aufgebauten Marktmanipulation, wie die Kritiker des Marktführers suggerieren.

Es ist die Akzeptanz der Internetnutzer, die Google zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt macht. Doch Macht muss begrenzt werden, egal woher die Quelle der Macht kommt. Insbesondere Monopole müssen in ihrer Macht beschränkt und notfalls zerschlagen werden, so die nachvollziehbare Logik des allgemein akzeptieren Modells der Marktwirtschaft. Sowohl die Monopol-Kontrolleure der Europäischen Union wie auch eine knappe Mehrheit der Forsa-Befragten halten es für sinnvoll, dass der Kern des Geschäfts von Google – die Suchmaschine – vom Rest des Unternehmens abgespalten wird.

Falls es irgendwann dazu kommen sollte, denn könnte diese Maßnahme nur wirksam sein, wenn man davon ausgeht, dass die Ergebnisse der Suchmaschine irgendwie von den Informationen aus dem Bereich außerhalb der Suchmaschine beeinflusst sind. Die Zerschlagung von Google wäre also mit dem Kollateralschaden eines Qualitätsverlustes der Suchmaschine verknüpft. Außerdem würde diese Art von Zerschlagung nichts daran ändern, dass die Abhängigkeit der Werbewirtschaft von Google im vollen Umfang bestehen bleibt.

Die Zerschlagungsideen gegenüber Google sind also genauso unrealistisch wie unlogisch. Die Macht von Google könnte hingegen deutlich reduziert werden, wenn es eine neue Suchmaschine gäbe, die deutlich bessere Ergebnisse als Google produzieren würde. Genauso gute Ergebnisse reichen leider nicht aus, denn eine gleiche Qualität ist kein Argument zu wechseln, weil dies mit Umstellungsaufwand verbunden ist. Auch ein niedriger Preis kann für ein Konkurrenzprodukt nicht zum Erfolg werden, denn Google ist mit Nullkosten für die Auslieferung der Suchergebnisse nicht mehr zu unterbieten. Außerdem fehlt wohl das Geld, um die Nutzer von Suchmaschinen zu bezahlen.

Geld ist generell das Problem, um hier eine effektive Machtbegrenzung zu erreichen. Zwar ist es bessere Suchmaschine als die Google Suchmaschine denkbar, doch dafür müsste viel Geld in die Hand genommen werden. Insgesamt gibt es in Europa genügend Knowhow und genügend Motivation, um mit einer europäischen Suchmaschine auf dem Weltmarkt mittelfristig erfolgreich anzutreten. Außer den Franzosen, will dafür aber niemand knappe Euros bereitstellen, und so wird uns dann Google noch lange Zeit als Suchmaschine und Aufregerthema erhalten bleiben.

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