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Googlen nützt, aber weniger als man denkt

Menschen nützen das Internet und Google sehr häufig für private und berufliche Zwecke. Die Vorbereitung auf ein Dating oder ein Einstellungsgespräch ist oft – Googlen: Mit Google als Suchmaschine nach relevanten Informationen suchen, die für das kommende Gespräch wichtig sein könnten. Für die Suchmaschinen-Optimierung bedeutet dies: die Arbeit der Experten wird noch wichtiger, denn sowohl Unternehmen wie Privatpersonen wollen, dass nach dem Googlen die vorteilhaften Informationen im Kopf hängen bleiben. Einige aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch auf: Googlen wird gelegentlich überschätzt. Richtiges Googlen will gelernt sein.

Bei Bild der Wissenschaft wurde recherchiert, wie quantitativ bedeutsam der Trend zum Googlen als Vorbereitung eines wichtigen Gesprächs in den USA bereits ist. Jeder Dritte checkt vor dem Date die Informationen zu einer neuen Bekannten/einer neuen Bekannten. Jeder zweite Arbeitgeber überprüft die Stimmigkeit der Angaben in Bewerbungsunterlagen und vergleicht diese mit Online-Profilen, die oft schnell über Google und die Google-Bildersuche gefunden werden können.

Offensichtlich gehen die Google-Nutzer davon aus, dass ihnen die Suchmaschine Zugriff auf wertvolle Informationen liefert, die der Bewerber oder der zukünftige berufliche oder private Partner nicht freiwillig herausgibt. Dabei kann dann schnell übersehen werden, dass die gefundenen Informationen oft veraltet sind, oder nur Randaspekte betreffen, die möglicherweise gar nicht wichtig sind.

Da insgesamt das Googlen zwar sehr beliebt aber nicht hoch angesehen ist, unterbleibt wohl oft die Konfrontation der Kontaktpersonen mit ungünstigen Informationen. Schließlich möchte der Arbeitgeber oder der Kontaktsuchende sich nicht als allzu neugierig enttarnen. Ob es schon viele bei den Googlern gibt, die so indirekt fragen, dass sie eine Information aus dem Internet verifizieren oder falsifizieren können, kann bezweifelt werden, denn dazu müssen spezielle Fragetechniken angewandt werden, die in den bisherigen Ausbildungsinhalten noch nicht relevant geworden sind.

Eine Untersuchung zur Nutzerbild nach Internet-Recherchen zeigt auf: Suchmaschinen und das Netz allgemein sind zu einer überall nutzbaren Ressource geworden, die Auswirkungen dieser Art des Vorgehens auf die Kognition von Menschen ist schwierig einzuordnen. Sofern die Nutzer ihre Recherchen als Erklärungen hinnehmen, erzeugen sie damit eine Illusion, weil sie die persönliche Färbung der Informationsgewinnung unterschätzen. Die Leute glauben mehr Wissen zu haben, als tatsächlich unterstellt werden kann.

Die kritische Einstellung gegenüber unkritischen Googlen ergibt sich auch aus psychologischen Erkenntnissen. Wer sich intensiv mit Online-Informationen zu einer Person auseinandersetzt, der bekommt schnell das Gefühl, dass er die entsprechende Person gut kennt. Denn Menschen neigen dazu, dass Bild, dass sie sich von anderen Menschen machen, konsistent anzulegen. Man bildet sich Vorurteile und neigt dazu, die neu hereinkommenden Informationen nur noch so wahrzunehmen, wenn sie diese Vorurteile bestätigen. Wird dann der Prozess der Bildnis-Schaffung (Max Frisch) vom Online-Angebot auf die Offline-Welt (das konkrete Gespräch) übertragen, dann besteht die Gefahr, dass die andere Person nicht mehr angemessen wahrgenommen werden kann. Diese kann dann zwar noch überraschen, indem sie Verhaltensweisen zeigt, mit denen nicht gerechnet wurde, aber viele Menschen neigen dazu, solche Überraschungen als unliebsam einzustufen, womit ebenfalls der Weg zum Scheitern angebahnt wird.

Richtiges Googlen müsste als kontrafaktisch vorgehen. Man müsste die Informationen aus dem Internet zu Hypothesen bündeln, die man dann einer Gegenrecherche zu unterziehen hätte. Einerseits müssen die Vorurteile verschriftlicht werden, anderseits muss gezielt nach Informationen gesucht werden, die das Bildnis widerlegen können. Richtiges Googlen ist also genauso anspruchsvoll wie richtige Suchmaschinen-Optimierung, wo man auch nicht mir Bauchgefühl allein zum Erfolg kommen kann.

 

 

 

 

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